Von außen nach innen – und zurück
Warum sind wir hier?
Wir leben in einer Welt, die wir zunächst durch unsere Sinne erfahren. Wir sehen, hören, riechen, schmecken und tasten. Wir sammeln Erfahrungen, entwickeln Fähigkeiten, verfolgen Ziele und gestalten unser Leben. Wir suchen Sicherheit, Beziehungen, Anerkennung, Erfolg, Freude und manchmal einfach nur ein wenig Ruhe.
Ein großer Teil unseres Lebens beschäftigt sich deshalb mit einer Frage:
Wie?
Wie kann ich mein Leben gestalten?
Wie kann ich erfolgreich sein?
Wie kann ich Schwierigkeiten bewältigen?
Wie kann ich Beziehungen führen?
Wie kann ich Leid vermeiden und Glück erfahren?
Diese Fragen sind notwendig. Sie helfen uns, unser Leben zu gestalten. Aber irgendwann kann eine andere Frage auftauchen.
Warum?
Warum bin ich überhaupt hier?
Warum wiederholen sich bestimmte Erfahrungen in meinem Leben?
Warum kann äußerer Erfolg innere Leere nicht verhindern?
Warum erleben wir Freude und Leid?
Warum suchen Menschen nach Sinn?
Und vielleicht die grundlegendste Frage:
Wer ist eigentlich dieses Ich, das all das erlebt?
Wenn das Vertraute nicht mehr trägt
Oft stellen wir diese Fragen nicht, solange unser Leben unseren Erwartungen entspricht.
Wir arbeiten, planen, organisieren, wünschen und handeln. Vieles davon geschieht innerhalb vertrauter Vorstellungen davon, wer wir sind und was ein gelungenes Leben ausmacht.
Doch diese Ordnung kann ins Wanken geraten.
Ein Verlust. Eine Enttäuschung. Das Scheitern einer Beziehung. Eine Krankheit. Eine Lebensphase, die endet. Oder einfach das schwer erklärbare Gefühl, dass trotz äußerer Ordnung etwas Wesentliches fehlt.
Solche Erfahrungen sind nicht automatisch spirituelle Botschaften und sie müssen auch nicht als von Gott verursachte Prüfungen verstanden werden.
Aber sie können Fragen sichtbar machen, die vorher vom Alltag überdeckt wurden.
Was trägt mich, wenn das Gewohnte nicht mehr trägt?
Was bleibt, wenn sich mein Körper, meine Beziehungen, mein Besitz und meine gesellschaftlichen Rollen verändern?
Was davon bin wirklich ich?
Vom Wie zum Warum
Das „Wie“ fragt nach Möglichkeiten des Handelns.
Das „Warum“ fragt nach Bedeutung, Ursache und Zusammenhang.
Beide Fragen gehören zum menschlichen Leben.
Problematisch wird es erst, wenn wir glauben, die Frage nach dem Sinn ausschließlich mit den Mitteln beantworten zu können, mit denen wir unsere äußere Welt organisieren.
Naturwissenschaft kann beispielsweise untersuchen, wie biologische Prozesse funktionieren. Psychologie kann menschliches Erleben und Verhalten untersuchen. Philosophie kann Begriffe, Erkenntnis und Wirklichkeit reflektieren.
Doch die Frage, warum überhaupt etwas existiert, was Bewusstsein seinem Wesen nach ist oder ob der Mensch eine über den materiellen Körper hinausgehende Identität besitzt, führt in einen anderen Erkenntnisbereich.
Hier beginnt die spirituelle Frage.
Die Welt existiert nach Prinzipien und Gesetzen
Wer bin ich?
Unser Körper verändert sich während unseres gesamten Lebens.
Der Körper eines Kindes ist nicht der Körper eines Erwachsenen. Zellen verändern sich, Fähigkeiten entstehen und verschwinden, unser Aussehen wandelt sich und schließlich altert der Körper.
Auch unsere Gedanken, Wünsche und Überzeugungen verändern sich.
Und dennoch erleben wir eine bemerkenswerte Kontinuität:
Ich war dieses Kind. Ich bin dieser Erwachsene.
Was verbindet diese unterschiedlichen Zustände?
Sind wir ausschließlich der jeweilige Körper?
Sind wir unsere Gedanken?
Sind wir unsere Erinnerungen?
Oder gibt es ein bewusstes Selbst, das all diese Veränderungen erlebt?
Die vedischen Schriften setzen genau an dieser Frage an.
Sie unterscheiden zwischen dem vergänglichen materiellen Körper und dem bewussten individuellen Lebewesen, der Seele (Ātmā).
Damit verändert sich die Ausgangsfrage.
Nicht mehr nur:
Wie funktioniert der Mensch?
Sondern:
Wer ist der Mensch?
Und was ist Bewusstsein?
Wir können körperliche Vorgänge beobachten und messen. Wir können untersuchen, unter welchen Bedingungen sich Wahrnehmung, Erinnerung oder Emotion verändern.
Doch damit ist noch nicht zwangsläufig beantwortet, was Bewusstsein seinem Wesen nach ist.
Die vedische Lehre kehrt deshalb eine heute verbreitete Perspektive um:
Nicht der Körper besitzt als sein Produkt irgendwann Bewusstsein.
Das bewusste Lebewesen besitzt einen Körper.
Der Körper ist vergänglich. Die Seele (Ātmā) wird dagegen als ewig, ungeboren und unvergänglich beschrieben.
Diese Unterscheidung bildet den Ausgangspunkt für die weiteren Fragen dieser Website.
Die Frage nach Gott
Wenn Bewusstsein nicht einfach mit Materie gleichgesetzt wird, entsteht eine weitere Frage:
Woher kommen Leben, Bewusstsein und die Ordnung, innerhalb derer wir existieren?
Die vedischen Schriften beantworten diese Frage nicht mit einem unpersönlichen Zufallsprinzip. Sie beschreiben eine höchste bewusste Wirklichkeit und letztlich eine personale Quelle allen Seins: Kṛṣṇa.
Damit ist Gott nicht lediglich eine Erklärung für Dinge, die wir wissenschaftlich noch nicht verstanden haben.
Die Gottesfrage ist grundsätzlicher.
Sie fragt nach dem Ursprung von Existenz, Bewusstsein, Ordnung und Beziehung.
Und sie führt zu einer weiteren Frage:
Wenn Gott existiert – in welcher Beziehung stehe ich zu Ihm?
Gottbewusst leben
Gottesbewusstsein bedeutet deshalb nicht, sich aus dem Leben zurückzuziehen.
Es bedeutet auch nicht, die materielle Welt abzuwerten.
Wir besitzen einen Körper. Wir leben in Beziehungen. Wir arbeiten, entscheiden, tragen Verantwortung und erfahren die Folgen unseres Handelns.
Die spirituelle Frage lautet daher nicht, wie wir diesem Leben entkommen können.
Sie lautet zunächst:
Aus welchem Bewusstsein heraus leben wir es?
Wenn ich mich ausschließlich mit meinem Körper, meinen Rollen, meinem Besitz, meinen Erfolgen und meinen Wünschen identifiziere, entsteht daraus eine bestimmte Art zu leben.
Wenn ich mich dagegen als bewusstes Lebewesen verstehe, das eine Beziehung zu Gott besitzt, verändert sich möglicherweise auch mein Verhältnis zu mir selbst, zu anderen Menschen und zu meinen Entscheidungen.
Genau diesen Fragen möchte gottbewusst.de nachgehen.
Nicht mit dem Anspruch, jede Frage vorschnell zu beantworten.
Sondern mit der Bereitschaft, einige unserer selbstverständlichsten Annahmen noch einmal zu überprüfen:
Wer bin ich?
Was ist Bewusstsein?
Warum handle ich, wie ich handle?
Was bedeutet Verantwortung?
Was ist die Seele?
Was ist Gott?
Und was verändert sich, wenn ich mein Leben aus dieser Beziehung heraus betrachte?
Vielleicht beginnt Gottesbewusstsein nicht damit, bereits alle Antworten zu kennen.
Vielleicht beginnt es damit, die grundlegenden Fragen wieder ernst zu nehmen.

