Der allmächtige Schöpfer
Die Allmacht Gottes im vedischen Verständnis
In den vedischen Schriften wird Gott, insbesondere in Seiner höchsten persönlichen Form als Krishna oder Vishnu, als allmächtig (Sarva-Shaktiman) beschrieben. Seine Allmacht umfasst die Fähigkeit, alles Vorstellbare – Materielles und Transzendentales – allein durch Seinen Willen zu erschaffen, zu erhalten und zu zerstören. Gott wird als die Quelle aller Energien und Existenz beschrieben, und Sein Handeln ist vollkommen unabhängig und mühelos.
Gottes Allmacht in der Schöpfung
- Schöpfung durch Gedankenkraft
In der Bhagavad Gita (9.10) erklärt Krishna:
„Unter Meiner Leitung erschafft die materielle Natur alle beweglichen und unbeweglichen Wesen.“
Die materielle Natur (Prakriti) handelt als Instrument Gottes, während Er selbst der ursprüngliche Regler bleibt. Dies zeigt, dass die gesamte Schöpfung, einschließlich der Naturgesetze, durch Seinen Willen manifestiert wird.
Im Brahma Samhita (5.1) wird Gott als die ursprüngliche Ursache allen Seins beschrieben:
„Govinda ist die ursprüngliche Persönlichkeit Gottes. Er ist die Ursache aller Ursachen und der Ursprung aller Welten, materiell und spirituell.“
- Die Manifestation von Energien
Gott wirkt durch Seine Energien, die in drei Kategorien unterteilt werden: - Innere Energie (Antaranga Shakti): Verantwortlich für die spirituelle Welt.
- Äußere Energie (Bahiranga Shakti): Verantwortlich für die materielle Welt.
- Zwischenenergie (Tatastha Shakti): Verkörpert die Lebewesen, die zwischen materieller und spiritueller Existenz schwanken.
Alles, was existiert – einschließlich der Elemente, Naturgesetze und Lebensformen –, ist eine Manifestation dieser Energien.
Die Naturgesetze als Ausdruck göttlicher Ordnung
Die vedischen Schriften betrachten Phänomene wie Elektrizität, Magnetismus, Gravitation und Fliehkraft als Aspekte der äußeren Energie Gottes. Sie existieren nicht unabhängig, sondern als Ausdruck Seiner schöpferischen Macht. In der Bhagavad Gita (7.8) erklärt Krishna:
„Ich bin die Kraft im Feuer, der Geschmack im Wasser, der Klang im Äther und die Lebensenergie in allen Wesen.“
Dies zeigt, dass hinter allen Naturgesetzen und Kräften die Präsenz Gottes liegt. Ihre Funktionalität basiert auf Seiner allmächtigen Anordnung.
Die Schöpfung, Erhaltung und Zerstörung
Die vedischen Schriften beschreiben, wie Gott die materiellen Universen erschafft, erhält und zerstört. Dies wird durch die Dreiheit von Brahma (Schöpfer), Vishnu (Erhalter) und Shiva (Zerstörer) repräsentiert, die als Ausführende von Gottes Willen fungieren.
- Schöpfung: Brahma erschafft das Universum durch Inspiration und Anweisungen Gottes.
- Erhaltung: Vishnu erhält das Universum, indem Er Harmonie und Ordnung sicherstellt.
- Zerstörung: Shiva löst das Universum am Ende des Zeitzyklus auf, um Platz für neue Schöpfungen zu schaffen.
Im Srimad Bhagavatam (1.3.2) heißt es:
„Die Höchste Persönlichkeit Gottes nimmt unterschiedliche Formen an, um die materielle Welt zu erschaffen, zu erhalten und zu zerstören, während Er selbst jenseits aller materiellen Eigenschaften bleibt.“
Die Akzeptanz von Gottes Allmacht
- Demut und Hingabe
Die Anerkennung der Größe Gottes führt zu Demut und Hingabe (Bhakti). In der Bhagavad Gita (18.66) fordert Krishna:
„Gib alle Arten von Religion auf und ergib Dich einfach Mir. Ich werde Dich von allen sündhaften Reaktionen befreien. Fürchte Dich nicht.“ - Glauben als Schlüssel zu Gottbewusstsein
Die vedische Philosophie erklärt, dass die Annahme von Gottes Allmacht und das Vertrauen in Seine Führung der Schlüssel zu spirituellem Fortschritt sind. In der Bhagavad Gita (4.11) sagt Krishna:
„Wie sich jemand Mir nähert, so belohne Ich ihn entsprechend. Jeder folgt Meinem Weg in allen Aspekten.“ - Erkenntnis durch Wissen und Hingabe
Die Kombination von spirituellem Wissen (Jnana) und Hingabe (Bhakti) führt zur Einsicht in Gottes Allmacht und zur Erfahrung Seiner Gegenwart in allem.