Die Aufgaben

Aufgaben des Menschen im Leben

Aufgaben des Menschen im Leben gemäß den vedischen Schriften

Die vedischen Schriften, wie sie von Srila Prabhupada erklärt werden, lehren, dass die zentrale Aufgabe des menschlichen Lebens darin besteht, Gott als den höchsten Schöpfer anzuerkennen, ihn zu verehren und ihn durch Hingabe und Lobpreisung zu ehren. Diese Aufgabe ist keine auferlegte Last, sondern eine natürliche Bestimmung des Menschen, die zu spiritueller Vollkommenheit führt. Der Mensch kann dieses Ziel erreichen, indem er seinen Geist auf Gott richtet, spirituelles Wissen erlangt und dieses Wissen in seinem täglichen Leben anwendet. Dieses Wissen, bekannt als göttliches Wissen, umfasst bestimmte Tugenden und Eigenschaften, die eine Grundlage für spirituelles Wachstum und Selbstverwirklichung bilden. Nachfolgend werden die wesentlichen Themen des göttlichen Wissens vorgestellt, die im Leben des Menschen von zentraler Bedeutung sind, zusammen mit Quellenangaben aus den vedischen Schriften.

  1. Demut

Demut (Sanskrit: amanitvam) wird als die Fähigkeit beschrieben, sich nicht über andere zu erheben und die eigene Abhängigkeit von Gott zu erkennen. Sie ist die Grundlage jeder spirituellen Praxis. Ein demütiger Mensch entwickelt die Einsicht, dass alle Errungenschaften letztlich auf Gottes Gnade beruhen.
Quelle: Bhagavad Gita 13.8-12 – „Wissen beginnt mit Demut und der Abwesenheit von Stolz.“

  1. Bescheidenheit

Bescheidenheit (arjavam) bedeutet, einfach zu leben und nicht nach übermäßigem Reichtum oder äußerlichem Ansehen zu streben. Diese Eigenschaft ermöglicht es dem Menschen, seine Energie auf spirituelle Ziele zu konzentrieren, statt sich in materiellen Wünschen zu verlieren.
Quelle: Srimad Bhagavatam 1.2.10 – „Die höchste Vollkommenheit des Lebens besteht darin, dem Herrn zu dienen, frei von egoistischen Wünschen.“

  1. Gewaltlosigkeit

Gewaltlosigkeit (ahimsa) ist nicht nur die Vermeidung physischer Gewalt, sondern auch das Vermeiden schädlicher Gedanken und Worte. Sie fördert Mitgefühl und Respekt gegenüber allen Lebewesen.
Quelle: Bhagavad Gita 16.2 – „Ahimsa ist eine göttliche Eigenschaft, die zu einer höheren Lebensweise führt.“

  1. Duldsamkeit

Duldsamkeit (ksama) lehrt, sich durch Schwierigkeiten nicht beirren zu lassen und anderen zu vergeben. Duldsamkeit ist ein Zeichen innerer Stärke und einer reifen spirituellen Einstellung.
Quelle: Srimad Bhagavatam 3.29.33 – „Die höchste Tugend ist Duldsamkeit, die in Hingabe an Gott verankert ist.“

  1. Einfachheit

Einfachheit (saralata) steht für Transparenz im Denken und Handeln. Sie hilft, ein Leben ohne Heuchelei zu führen und offen für spirituelles Wissen zu sein.
Quelle: Bhagavad Gita 16.1 – „Einfache, ehrliche Natur ist ein Zeichen göttlicher Qualitäten.“

  1. Sauberkeit

Sauberkeit (saucam) umfasst sowohl äußere Reinheit als auch innere Reinheit von Gedanken und Motiven. Sie ist essenziell für spirituelle Praktiken.
Quelle: Srimad Bhagavatam 1.17.24 – „Sauberkeit ist eine der Säulen religiöser Prinzipien.“

  1. Stetigkeit

Stetigkeit (dhriti) ist die Fähigkeit, trotz Rückschlägen und Versuchungen standhaft in seinen Bemühungen zu bleiben. Sie ermöglicht spirituelle Fortschritte.
Quelle: Bhagavad Gita 18.33 – „Stetigkeit in der Pflicht ist ein Zeichen von Güte.“

  1. Selbstbeherrschung

Selbstbeherrschung (dama) ist die Kontrolle über Sinne und Wünsche. Sie hilft, die geistige und körperliche Energie auf Gott auszurichten.
Quelle: Srimad Bhagavatam 7.15.22 – „Ein wahrer Yogi ist derjenige, der die Sinne unter Kontrolle hat.“

  1. Entsagung

Entsagung (vairagya) bedeutet, sich nicht an materiellen Objekten zu binden und sie im Dienst Gottes einzusetzen.
Quelle: Bhagavad Gita 6.16 – „Entsagung führt zu innerem Frieden und Glück.“

  1. Freisein vom illusionierenden Ego

Das Freisein vom illusionierenden Ego (nirahankara) bedeutet, die falsche Identifikation mit dem materiellen Körper und den Geist aufzugeben.
Quelle: Bhagavad Gita 13.8 – „Erkenne, dass der wahre Selbst jenseits des Egos liegt.“

  1. Erkennen der Lebensphasen

Die vedischen Schriften beschreiben vier Lebensphasen (ashramas), die den Menschen helfen, sich allmählich von materiellen Bindungen zu lösen und spirituelle Reife zu erlangen.
Quelle: Srimad Bhagavatam 7.12.13 – „Die Lebensphasen sind Stufen des Fortschritts.“

  1. Nichtanhaftung an Besitz

Nichtanhaftung (aparigraha) hilft, materielle Bindungen zu überwinden und ein inneres Gefühl der Freiheit zu entwickeln.
Quelle: Bhagavad Gita 2.47 – „Handle, ohne an die Früchte gebunden zu sein.“

  1. Gleichmut in Freud und Leid

Gleichmut (samatvam) ermöglicht es, sowohl Freude als auch Schmerz mit Gelassenheit zu akzeptieren, da beides temporär ist.
Quelle: Bhagavad Gita 2.14 – „Freud und Leid sind vorübergehende Erscheinungen.“

  1. Hingabe an Gott

Hingabe (bhakti) ist der Höhepunkt spirituellen Lebens. Sie reinigt den Geist und bringt den Menschen in direkten Kontakt mit Gott.
Quelle: Srimad Bhagavatam 1.2.6 – „Hingabe ist die wahre Essenz des Lebens.“

  1. Loslösung aus der Masse

Die Loslösung (vivikta-desa-sevitvam) ermutigt, sich von weltlichem Trubel zurückzuziehen, um inneren Frieden und spirituelles Wachstum zu fördern.
Quelle: Bhagavad Gita 13.10 – „Suche Einsamkeit, um über das Selbst zu meditieren.“

  1. Selbstverwirklichung

Selbstverwirklichung (atma-jnana) bedeutet, die wahre Natur der Seele zu verstehen und die Beziehung zu Gott zu erkennen.
Quelle: Bhagavad Gita 6.29 – „Der Yogi sieht die Seele überall.“

  1. Suche nach Wahrheit

Die Suche nach Wahrheit (tattva-jnana) ist das Streben, die absolute Wahrheit zu erkennen, die in Gott verwurzelt ist.
Quelle: Srimad Bhagavatam 1.2.11 – „Die höchste Wahrheit ist Gott.“

  1. Annahme eines spirituellen Führers

Ein spiritueller Führer (guru) ist essenziell, um die vedischen Lehren zu verstehen und anzuwenden.
Quelle: Bhagavad Gita 4.34 – „Frage einen spirituellen Meister demütig nach der Wahrheit.“

  1. Rückzug

Rückzug (pratyahara) ist die Fähigkeit, sich von äußeren Ablenkungen zu lösen, um innere Ruhe zu finden.
Quelle: Yoga-Sutra 2.54 – „Pratyahara ist das Zurückziehen der Sinne.“

Schlussbemerkung

Die Beschäftigung mit diesen Themen führt den Menschen auf den Weg zur Vollkommenheit, indem sie ihn von Illusionen befreit und ihm hilft, ein gottzentriertes, erfülltes Leben zu führen.